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Voll abgestürzt!
Verrückte Computergeschichten über EDV-Unterricht, PC-Reparaturen, Kundenservice und andere bekloppte Geschehnisse
ein Buch von © Jonathan Dilas
1. Vorwort
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Leseprobe 1:
Es ist schon wieder Mittwoch. Wenn man das Leben in Wochen berechnet, anstatt in Jahren, wirkt es viel länger. Eine Woche ist schnell um, aber 39 Wochen klingt wahnsinnig viel. Wenn ich daran denke, dass ich bei der Installation von Windows nur 39 Minuten warten muss oder nur eine, dann fällt einem der Unterschied schon auf. Und bei zehn Windows-Installationen wären das doch glatte 390 Minuten. In Wochen gerechnet ist das eine urlange Zeit. Hält man sich das aber in Jahren vor Augen, wirkt es wiederum viel zu wenig. Nach meinen philosophischen fünf Minuten stehe ich bei Frau Rausch in der Wohnung. Sie begrüßt mich und weist zu allererst auf einen viereckigen Kasten, den sie unter dem Pulli trägt. Es sieht ganz so aus, als verstecke sie darunter eine Packung Nudeln. „Machen Sie sich keine Sorgen, das ist ein Kreislaufmessgerät. Das hat mir der Arzt verordnet“, erklärt sie leidend. Ich schaue auf ihren Pulli: „Ach, Sie Arme. Ist es sehr schlimm?“ frage ich, ohne meine Ironie allzu sehr durchscheinen zu lassen. „Nein, ich rege mich nur immer so leicht auf und darum habe ich diesen Kasten jetzt an mir angeschlossen. Der misst jetzt dauernd meinen Kreislauf. Der ist einfach zu hoch.“ Nun nimmt sie mich mit in ihr Wohnzimmer, wo ihr Laptop steht. „Das ist mein Gerät. Schauen Sie mal, ob Sie das hinbekommen.“ Ich schaue mir den alten Brotkasten an. Ein Laptop aus der Steinzeit. Ich bekomme einen Schock! Noch nichtmals einen Netzwerkanschluss! Wer erfindet solch einen Schrott? Dafür prangt der Modemanschluss fett an der linken Seite und ein trauriger kleiner Stecker hängt halbherzig darin. Ich stecke ihn tiefer rein und es klickt einmal. „So, Internet geht wieder“, sage ich überzeugt. „Wie das? So schnell?“ fragt sie erstaunt. „Ja, so schnell kann es manchmal gehen.“ Nach langem Booten bin ich auf dem Desktop. Der Wurm lässt das Laptop kräftig blasen und rödeln. Schleppend erscheint ein Icon nach dem anderen. Selten so viele Icons auf einem Desktop gesehen. Das Hintergrundbild, ein sonniger Strand am Meer, wäre vielleicht sehr entspannend gewesen, wenn man etwas von ihm hätte sehen können. „Oh, Sie haben einen Wurm auf Ihrem Rechner“, sage ich laut. Plötzlich vernehme ich ein lautes Gepiepe. Irritiert schaue ich mich um und versuche die Ursache festzustellen, während Frau Rausch in ihrer Bewegung innehält, als hätte Mr. Freeze sie gnadenlos mit einem Eisstrahl eingefroren! Einige Sekunden später ist dann ein seltsames Brummen zu vernehmen. „Das war jetzt nicht mein Laptop“; meint sie, „sondern es piept bei mir.“ Ja, denke ich, das kann ich mir gut vorstellen. „Das ist mein Kreislaufgerät. Wenn es piept, dann ist mein Kreislauf zu hoch angestiegen und ich muss ganz ruhig bleiben, damit das Gerät alles aufzeichnet. Und wenn es kurze Zeit später brummt, dann darf ich mich wieder bewegen.“ Ich muss mich nun wirklich zusammenreißen und beiß mir auf die Lippe. Was gibt es nicht alles für Geschichten, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Sie fährt fort: „Wenn ich mich aufrege, dann steigt mein Kreislauf und das Gerät meldet sich.“ „Ah so, und wozu brauchen Sie das Gerät, wenn Sie doch selber wissen, wann Ihr Kreislauf steigt?“ frage ich nach. „Der Arzt sagt, das muss ganz genau gemessen werden.“ „Aha“, entgegne ich. „Bestimmt sind Sie Privatpatientin, oder?“ „Ja, genau! Woher wissen Sie das?“ hakt sie erstaunt nach. „Ach, nur so“, flunkere ich. Privatpatienten, die unter einer so langen Beobachtung mit solch einem nutzlosen, aber kostspieligen Gerät tagelang herumlaufen, das Geld möchte ich gern für diese Virenentfernung hier bekommen. Ich lasse einmal den Stinger langatmig über das System ziehen und sehe, wie er den fetten Wurm beseitigt. Danach schnell ein Update vom Stick, damit das Sicherheitsleck geschlossen wird. Nach einer weiteren halben Stunde ist ihr System wieder sauber. „Ich habe nun das System gereinigt und das Internet funktioniert auch wieder.“ „Wirklich? Das freut mich jetzt aber.“ Ich überlasse ihr wieder ihren alten Holzstuhl und sie setzt sich nun vor den Laptop. „Ist aber immer noch alles ein bisschen langsam“; meint sie, während sie mit der angeschlossenen Maus wild herumkurvt und versucht 23 Programme gleichzeitig zu laden. „Ja, das liegt dann noch an Ihrem Laptop. Der ist zu alt.“ „Ich kann mir doch keinen neuen Laptop kaufen!“ ruft sie entrüstet. „Müssen Sie ja auch nicht. Ist alles freiwillig. Aber schimpfen Sie dann nicht darüber, dass er so langsam ist.“ Sie schmollt noch ein wenig, weil ich ihr keinen neuen Laptop schenke, aber sie freut sich, wieder ihre E-Mails abholen zu können. „Wissen Sie, ich brauche meinen Laptop für meine Tochter. Sie wohnt in Kanada.“ „Aha…“, erwidere ich. Vermutlich haben sich sämtliche Fluchtversuche erst dann als erfolgreich erwiesen, nachdem es so weit entfernt wie Kanada ist. „Und dann sendet sie mir immer einmal die Woche oder so eine E-Mail. Darum muss das alles schon laufen, das ist doch mein einziger Kontakt. Telefonieren ist so teuer.“ „Ja, das ist richtig.“ Ich überlege, ob ich ihr von der Möglichkeit erzählen soll, über das Internet z.B. mit Skype kostenlos weltweit telefonieren zu können, lasse es dann aber ihrer Tochter und meinen Nerven zuliebe besser. Vermutlich müsste ich es ihr auch noch stundenlang erklären. Nachdem ich es endlich schaffe mich von ihr zu befreien, stehe ich fünfzehn Minuten später zu Hause in meiner Wohnung. Feierabend! Endlich Ruhe! Das Handy klingelt! Von wegen! „Ja?!“ „Hier ist nochmal Frau Rausch!“ höre ich sie wieder an meinem Ohr herumkauen. „Was gibt es denn?“ Zuerst vernehme ich ein paar unverständliche Worte, dann im Hintergrund höre ich wieder ein lautes Gepiepe. Darauf folgt Stille. Danach brummt es. „Jetzt darf ich wieder reden. Ich musste eben nur still halten.“ Ich beiß mir erneut auf die Lippen… „Worum geht es denn?“, frage ich nach, um es kurz zu machen. „Mein Fernseher geht nicht mehr!“ „Aha. Ich wusste gar nicht, dass ich auch Fernseher reparieren kann.“ „Seit dem Sie hier waren, geht mein schöner Fernseher nicht mehr! Ich wollte gerade 'Wer wird Millionär' gucken! Deshalb wollte ich sie jetzt fragen, ob Sie damit zu tun haben?“ „Nein, nicht dass ich wüsste“, antworte ich. „Vielleicht hängt das ja mit dem Stromnetz oder so zusammen. Ich weiß es ja nicht. Sie haben ja an der Telefonbuchse rumgemacht und die braucht ja auch irgendwie Strom...“ "Tut mir sehr leid, aber das halte ich für sehr unwahrscheinlich...", aber meine Worte versiegen wie die ersten Regentropfen im heißen Sand. (...)
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