Neues aus der Medizin

Anämie? Achtung Anfänger!

Die Wahrheit über Blutarmut



Es mehren sich die Fälle, in denen Vampire ihre Auserwählten nicht fachgerecht aussaugen. Laienhafte Beißversuche haben so im letzten Jahr die Rate blutarmer Menschen dramatisch erhöht - Blässe, Ohnmachtsneigung, Schwäche, Konzentrationsverlust und Kopfdruck sind typische Symptome. Doch vor allem in Vampirkreisen sorgen die jüngsten Ereignisse dieser Art für Empörung; mindestens als „Unsitte“ gilt der Dilettantenbiss, alte Vampire sprechen sogar von einer „Schande für den Stand“. Schöne Frauen sinnlos zu verbeißen ist jedoch nicht nur in hohem Grade rufschädigend, sondern kann zu einem deutlich spürbaren Ärgernis für jeden Vampir werden. Denn die menschenübliche Behandlung der Blutarmut mit Eisenpräparaten ist für den Vampir im Allgemeinen zwar nicht schädlich, aber sie verdirbt das Aroma, insbesondere blutjunger Frauen. Um eine buchstäblich „herbe“ Enttäuschung zu vermeiden, sollten angeknabberte Exemplare (s. Abb.) nicht nachgebissen werden, rät Dr. Natnek Kentan vom Vampirella Hospital und ergänzt: „Wir forschen an diesem Phänomen bereits seit Jahren.“ Augenscheinlich genügt es nicht länger, lapidar festzustellen, die heutige Jugend habe „keinen Biss“ mehr. An den Erklärungsversuchen scheiden sich allerdings die Geister. Während die einen ungelenke Beißversuche als pathologischen Ausdruck übersteigerter Blutsucht interpretieren, machen andere mangelnde Sachkenntnis verantwortlich. Beide Seiten diskutieren derzeit intensiv über geeignete Gegenmaßnahmen. Im Gespräch sind z. B. anonyme Beratungsangebote für junge Vampire, die zwischen Zaghaftigkeit und Verbissenheit schwanken, oder Förderprogramme zur Vermittlung klassischer Annäherungs-, Beiß- und Saugtechniken. Alternativ ist ein verbindliches Curriculum denkbar, das ausbildenden Vampiren als Leitfaden dienen könnte, um einen einheitlichen und fundierten Wissensstand der neuen Generation zu sichern.

© Esther Grau